Diplom-Ingenieur Elektrotechnik

    Aus dem Leben eines Ingenieurs

 

Name:                Peter Kaldenhoff
Titel:                   Dipl.-Ing. Elektrotechnik
Unternehmen:    Aufzugswerke M. Schmitt+Sohn GmbH, Nürnberg
Homepage:        www.schmitt-aufzuege.com


Für mich war es eigentlich schon ziemlich früh klar, dass ich einen technischen Beruf ergreifen will. Technische Dinge faszinierten mich schon als Kind, und so war ich schon immer neugierig zu verstehen wie die Sachen funktionieren und zusammenhängen. Das setzte sich im Gymnasium fort, wo die naturwissenschaftlichen Fächer Physik und Chemie meine absoluten Favoriten waren. Zur Mathematik hatte ich damals ein eher angespanntes Verhältnis. Mitte 1980, mit dem Abitur in der Hand, war also klar: Ein Ingenieurstudium soll es sein. Wegen der meiner Meinung nach besten Zukunftsaussichten, und auch weil mich die die Elektronik besonders interessierte, war das Fachgebiet „Elektrotechnik“ schnell festgelegt.
Offen war nur die Frage, ob Fachhochschule oder Universität. Beides war von mir zu Hause aus gut zu erreichen, und beides sollte angeblich nicht sooo leicht sein. Schließlich gaben die vermeintlich besseren Aufstiegschancen, sowie die damals höheren Einstiegsgehälter den Ausschlag für die Universität.

Ich bekam auch gleich einen Studienplatz an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, sowie einen Praktikumsplatz bei der Firma Siemens / Erlangen, um das nötige Grundpraktikum gleich im Sommer absolvieren zu können. Mit dem Wintersemester 1980/81 begann dann schließlich das „Abenteuer Ingenieurstudium“. Wie man sich vorstellen kann, ging es dabei ziemlich mathematisch zu. Wider erwarten war das jedoch gar kein so großes Problem, und die Lücken die ich aus dem Gymnasium mitgebracht hatten waren schnell aufgefüllt. Ich daraus gelernt, dass man auch die Mathematik durchaus verstehen kann. Etwas verwundert war ich damals über die vielen „mechanischen“ Fächer, die ich belegen musste. Schließlich wollte ich doch Elektrotechnik studieren. Heute bin ich froh darüber, denn im Aufzugsbau, wo ich heute tätig bin, geht das Eine nicht ohne das Andere. Letztendlich hielt ich dann Ende 1985 das ersehnte Diplomzeugnis in der Hand. Die gewählten Studienschwerpunkte „Hochfrequenztechnik“ und „Nachrichtentechnik“ würde ich auch heute wieder genauso wählen. Für das was ich später im Beruf machte war das genau das Richtige.

Damals, Ende 1985 / Anfang 1986, waren viele Firmen auf der Suche nach Elektroingenieuren für ihre Entwicklungsabteilungen. Ähnlich wie auch heute wieder herrschte ein ziemlicher Mangel an Fachkräften, und so wurden bereits die Studenten der höheren Semester heftig von den Firmen umworben. So war die Arbeitsplatzsuche eigentlich keine echte Suche, vielmehr stand man vor der Wahl welche der angebotenen Stellen man denn nun nehmen wolle. Schließlich entschied ich mich für die PKI, die Philips-Kommunikations-Industrie AG mit Sitz in Nürnberg, und landete dort in der Entwicklungsabteilung für „leitungsgebundene Übertragungstechnik“. Dort wurde all das entwickelt was man braucht, um Daten über Kupfer- oder Glasfaserkabel zu übertragen. Heute ist die PKI übrigens unter dem Namen Alcatel-Lucent bekannt.

Bisher hatte ich in der Uni gelernt, wie die Dinge theoretisch funktionieren, nun lernte ich von meinen neuen Kollegen wie man das Ganze in praktische Realisierungen umsetzt. Hier war es nun meine Aufgabe, konkrete analoge und digitale Schaltungen zu entwickeln, und bis zur Produktionsreife zu begleiten. Ich lernte die nötigen Softwarewerkzeuge zu benutzen, lernte den Umgang mit programmierbaren Logikbausteinen, lernte wie man Mikrokontroller programmiert, und letztendlich sogar wie man hochkomplexe ICs entwirft. Neu war für mich dabei der Gedanke, nicht unbedingt nur die technisch beste Lösung zu finden, sondern die preiswerteste Lösung die die Anforderungen voll erfüllt.
Die Arbeit als Entwicklungsingenieur erwies sich für mich als goldrichtig. Ich genieße es noch heute, mich mit einer Anforderung vor ein leeres Blatt Papier zu setzen, und von Null an nach Realisierungsmöglichkeiten zu suchen. Das ist eine sehr kreative Aufgabe, in deren Rahmen es natürlich auch nicht aus bleibt, dass man Erfindungen macht die dann zu einer Patentanmeldung führen.

Mitte der 1990er Jahre bekam ich über familiäre Verbindungen dann Kontakt zu den Aufzugswerken Schmitt+Sohn in Nürnberg. Anfangs fragte man mich nur um Rat, doch schließlich bot man mir einen Arbeitsplatz an. Nachdem an meiner bisherigen Arbeitsstelle keine beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten in Sicht waren, nahm ich schließlich 1996 das Angebot von Schmitt+Sohn an. Seither entwickle ich mikroprozessorgesteuerte Aufzugsteuerungen, sowie alles andere was es an elektrischer Ausrüstung an einem Aufzug gibt. Mittlerweile bin ich Leiter der Entwicklungsabteilung des Bereichs Aufzugselektrik, und bin froh über die Kenntnisse von mechanischen Konstruktionen, die ich im Studium vermittelt bekam.
Den Wechsel habe ich bisher nie bereut, hatte ich hier doch die Chance bekommen meine eigenen Vorstellungen über die Technik zu realisieren. Das ist auch genau das, was ich heute an meiner Tätigkeit am meisten schätze, nämlich das es in meiner Hand liegt wie die Geräte und Aufzüge funktionieren, welche Eigenschaften sie haben, mit denen täglich zigtausende Menschen zu tun haben. Das zeigt auch gleich die große Herausforderung dabei, nämlich komplexe und hochintegrierte Technik so zu gestalten, dass sie auch von Nicht-Ingenieuren, ja sogar von technischen Laien, benutzt, gewartet und repariert werden kann.

Mehr und mehr wurden in meinem Berufsleben auch Fähigkeiten wichtig, die ich nicht an der Uni gelernt habe. Das sind Dinge wie mit Menschen umgehen können, motivieren können, diskutieren und überzeugen können, Fremdsprachen etc.. Dinge die ich mit Verlassen der Schule eigentlich glaubte hinter mir gelassen zu haben, sind heute wieder wichtig. Und so kann ich heute sagen, aus meiner Sicht gibt es keinen vielseitigeren, interessanteren und zukunftssichereren Beruf als den des Ingenieurs der Elektrotechnik.


Quelle: Aufzugswerke M. Schmitt+Sohn GmbH Nürnberg
(c) 2009 by 24-design.de