Diplom-Ingenieur Physikalische Technik

Aus dem Leben eines Ingenieurs

Robert Staudinger, Diplom-Ingenieur bei Infineon Technologies in Regensburg

Product Assembly & Test Engineering

 

Warum wollten Sie studieren?

Nach dem Abitur hatte ich noch keine genaue Vorstellung, was ich werden will. Ein Studium mit technischer Ausrichtung sollte mir mehr Erkenntnisse über meinen zukünftigen Beruf liefern.

An welcher Hochschule haben Sie studiert?

An der FH München Physikalische Technik mit Schwerpunkt Physikalische Chemie

Was hat Sie bewogen, gerade diesen Schwerpunkt zu studieren?

Als ich zu studieren begann, entschied man sich auf der technischen Schiene entweder für Maschinenbau oder Elektrotechnik. Nach zunächst zwei Semestern Elektrotechnik war mir der Studiengang aber zu speziell ausgerichtet. Ein früherer Klassenkamerade, der physikalische Technik studierte, begeisterte mich dafür und so entschied ich mich für diesen Studiengang. Ausschlaggebend war die allgemeine naturwissenschaftliche Ausrichtung des Studienganges.

Wann haben Sie beschlossen Ingenieur zu werden?

Da mich Mathe, Physik und Chemie in der Schule immer schon mehr interessierten als die anderen Hauptfächer, lag die technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung von Anfang an nahe. An der Fachoberschule machte ich das Fachabitur (Schwerpunkt Technik). Mit der Wahl des Studienganges kam für mich dann nur der Beruf des Ingenieurs in Frage.

 

Quelle: Infineon Technologies AG Regensburg

 

Beschreiben Sie Ihren beruflichen Werdegang nach dem Studium

Schon während des Studiums schrieb ich meine Diplomarbeit mit dem Thema „Feuchtthermische Oxidation und Charakterisierung von VCSEL“ bei Siemens (Bereich Osram Halbleiter). 1999, der Halbleiter-Bereich war gerade von Siemens  ausgegliedert und das neue Unternehmen Infineon Technologies gegründet worden, fing ich bei Infineon in Regensburg an. Meine erste Station war in der „fiber optics“-Entwicklung. Mit dem Produkt „Byteflight/Most“ (Multimedia-Vernetzung in Fahrzeugen über opto-elektronische Multichipmodule) kam ich nach eineinhalb Jahren von der Produktentwicklung zur Prozessentwicklung in die Fertigung. Ich betreute dort als Prozessingenieur die Montageprozesse „globtop“ und „casting“. Nach weiteren drei Jahren wechselte ich als Prozessingenieur in den Backend Sensor-Bereich (Chipmontage). Meine prozesstechnischen Schwerpunkte blieben dieselben, die Produkte (z.B. Drucksensoren) und damit die Herausforderung für das zu entwickelnde und zu betreuende Equipment haben sich aber bis heute immerzu geändert.

In welchem Bereich liegt der Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit heute?

Die Schwerpunkte liegen in der Produktion im Assembly-Bereich, d.h. Montage von Chips für die Automobilindustrie, speziell für den Seitenairbag. Hier bin ich v.a. verantwortlich für die Prozessbetreuung von globtop- und casting-Anlagen. Kürzlich ist ein weiterer Prozess hinzugekommen, das „wire bonden“, das Kontaktieren von Chips mit dem Trägerband. Ebenso liegen verstärkt allgemeine prozesstechnische Projekte wie zum Beispiel die Verbesserung der Anlagenperformance und der Produktausbeute in meinem Aufgabengebiet.

 

 

Quelle: Infineon Technologies AG Regensburg

 

Was gefällt Ihnen dort am besten?

Die Abwechslung und fast täglich neuen Herausforderungen. Es ist nie ein Tag gleich wie der andere! Gibt es Produkt- und Prozessprobleme in der Fertigung, dann wird in erster Linie der Prozessingenieur aktiviert. Wir verstehen uns dann als „Problem Solver“ direkt an der Front. Sind die Probleme dann gelöst, empfinde ich immer eine direkte Bestätigung meiner Arbeit. Auch der  Kontakt zu Kollegen aus verschiedensten Fachbereichen - sei es Fertigung, Entwicklung, Planung, Management oder Kaufleute - ist für mich immer interessant und lehrreich.

Wie können Sie das im Studium erworbene Wissen einsetzen?

Im Studium erwarb ich das Grundgerüst für meine Tätigkeit als Ingenieur und bekam einen Überblick über verschiedene technische Bereiche. Besonders wertvoll für mich waren und sind aber selbst erlernte Eigenschaften wie das Recherchieren und Beschaffen von Informationen und das Wissen und Beobachten von naturwissenschaftlich-technischen Vorgängen durch unzählige Praktikas, sei es im Praxissemester oder unter dem Semester.

Erzählen Sie von Ihrer Arbeit:  Gibt es einen typischen Tagesablauf?

Mein Arbeitstag beginnt immer mit dem Gang in die Fertigung. Des Öfteren treten über Nacht und an Wochenenden Anlagen- und Produktprobleme auf, die sofort gelöst werden müssen. Der weitere Tagesablauf hängt von den etwaigen Problemen in der Fertigung ab und von meiner eigenen täglichen Planung, wie z.B. Büroarbeiten für Dokumentation und Analyse, Tätigkeiten für das Projektteam und Teilnahme an Meetings mit unterschiedlichsten Themen.

Welches war für Sie das herausragende Projekt der letzten Monate?

Das herausragendste Projekt war für mich die erfolgreiche Leitung eines „Performance-Teams“ zur Kosteneinsparung in der Drucksensor-Fertigungslinie.

 

Quelle: Infineon Technologies AG Regensburg

 

Waren Sie schon an einem ausländischen Standort von Infineon?

Unsere Hochvolumen-Fertigung für Drucksensoren ist in Malacca in Malaysia. Ich war dort des Öfteren bei Prozessproblemen oder Prozessoptimierungen für ca. 2 bis 3 Wochen vor Ort. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Malaysia ist trotz des Kulturmix sehr gut. Die Kollegen in Asien sind sehr freundlich und entgegenkommend. Auch nach der Arbeit nehmen sich die Kollegen Zeit für einen, wie z.B. regelmäßiges gemeinsames Abendessen oder beim Kennenlernen von „Land und Leuten“.

Was sind Ihre nächsten beruflichen Pläne?

In Zukunft mehr Projektmanagement zu machen. Das Arbeiten im Team macht durch den Kontakt mit Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen sehr viel Spaß und ist durch die Vielfalt und Diversität der Projekte nie monoton. Trotz meiner langjährigen Erfahrung im Halbleiterbereich gibt es immer wieder was Neues zu entdecken.

Worauf sind Sie heute als Ingenieur besonders stolz?

Dass ich, so denke ich, einen in der Gesellschaft angesehenen Beruf ausübe. Ebenso konnte ich mich als Ingenieur fortlaufend beruflich und persönlich weiterbilden. Viele Techniken und Vorgehensweisen aus den Berufsleben wende ich oft auch m Privatleben an, z.B. Nutzwertanalyse beim Autokauf.

Würden Sie wieder Ingenieur werden wollen und wenn ja warum?

Ja! Die Bereiche, in denen Ingenieure gebraucht werden, sind sehr vielfältig, die Nachfrage seit Jahrzehnten sehr groß. Die Abwechslung, die ein Ingenieurberuf bietet, ist ebenso entscheidend für mich.

Was würden Sie einem jungen Mann/einer jungen Frau raten, der/die Ingenieurwissenschaften studieren will?

Sich in Praktikas und/oder Werkstudententätigkeiten unbedingt ein erstes Bild von der späteren Tätigkeit und Branche machen. Ebenso sollte man sich frühzeitig „Soft skills“ wie z.B. Teamfähigkeit oder Präsentationstechniken aneignen, die im Beruf sehr wichtig sind.

Von Daniel Düsentrieb stammt der Spruch: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“. Stellen Sie sich vor, Sie sind Daniel Düsentrieb. Was möchten Sie erfinden?

Ich würde Fahrzeuge und Häuser bauen, die keine Energie verbrauchen und die sich jeder leisten könnte.

Was sind Ihre Hobbies?

Früher war ich sehr aktiv am Fußballplatz und im Fitnessstudio. Seit einigen Jahren steht für mich aber die Familie mit meinen zwei kleinen Kindern in Vordergrund, so dass ich meine sportlichen Tätigkeiten momentan sehr stark reduziert habe. Sonst interessiert mich alles Mögliche, der Fokus verändert sich laufend.

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